Boulder-Schwierigkeitsgrade erklärt
Beim Bouldern gibt es zwei verbreitete Skalen: die französische Fontainebleau-Skala (in Europa Standard) und die amerikanische V-Skala. Beide sind nach oben offen und beide sind, ehrlich gesagt, eine Meinung.
Die Fontainebleau-Skala (Fb)
Benannt nach dem Waldgebiet südlich von Paris, dem Geburtsort des modernen Boulderns. Die Skala beginnt praktisch bei 3 und läuft über Zahlen, denen ab dem sechsten Grad Buchstaben (a, b, c) und optional ein Plus angehängt werden.
Die Reihenfolge lautet also: 6a, 6a+, 6b, 6b+, 6c, 6c+, 7a, 7a+, und so weiter. Ein „6b+“ ist damit schwerer als „6b“, aber leichter als „6c“. In Deutschland ist diese Skala in fast jeder Boulderhalle im Einsatz.
Die V-Skala
In den USA verbreitet, benannt nach dem Kletterer John „Vermin“ Sherman. Sie ist schlichter aufgebaut: reine ganze Zahlen von V0 aufwärts, ohne Buchstaben. Weiter unten gibt es zusätzlich VB („V-Basic“) für Einsteigerboulder.
Weil die V-Skala gröber ist als die Fb-Skala, deckt ein V-Grad oft zwei Fb-Grade ab. Eine exakte Umrechnung gibt es deshalb nicht — nur Näherungswerte.
Umrechnungstabelle Fb ↔ V-Skala
| Fontainebleau | V-Skala | Einordnung |
|---|---|---|
| 3 – 4 | VB – V0 | Einstieg, erste Hallenbesuche |
| 4+ – 5 | V1 | Grundtechnik sitzt |
| 5+ – 6a | V2 – V3 | solide Hallenroutine |
| 6a+ – 6b | V3 – V4 | fortgeschritten |
| 6b+ – 6c | V4 – V5 | fortgeschritten |
| 6c+ – 7a | V5 – V6 | ambitioniert |
| 7a+ – 7b | V7 – V8 | sehr stark |
| 7b+ – 7c+ | V8 – V10 | Elite-Bereich |
| 8a und höher | V11 und höher | Weltklasse |
Die Übergänge sind fließend und werden je nach Quelle leicht unterschiedlich angegeben. Wer die Tabelle auf die Nachkommastelle genau nimmt, hat den Punkt verpasst.
Warum fühlt sich die 6b in jeder Halle anders an?
Weil Grade keine Messwerte sind. Sie werden von der Person vergeben, die den Boulder geschraubt hat — und die hat einen bestimmten Körperbau, eine bestimmte Reichweite und einen bestimmten Kletterstil.
Konkret spielen mindestens vier Dinge hinein:
- Hausniveau: Manche Hallen bewerten grundsätzlich weicher, um Einsteiger zu motivieren. Andere bewerten hart, weil sie sich am Fels orientieren.
- Stil: Ein krafttlastiger Überhang und eine technische Plattenroute können denselben Grad tragen und sich völlig unterschiedlich anfühlen.
- Körperbau: Reichweite, Fingerkraft und Körperspannung verschieben die gefühlte Schwierigkeit je nach Routentyp erheblich.
- Abnutzung: Griffe werden mit der Zeit speckig. Derselbe Boulder ist nach vier Wochen messbar schwerer als am Setzungstag.
Die praktische Konsequenz: Vergleiche Grade nicht zwischen Hallen, sondern mit dir selbst über die Zeit. „Ich klettere 6b“ sagt wenig. „Ich klettere in meiner Halle inzwischen die 6b, die vor einem halben Jahr noch unmöglich war“ sagt alles.
Und was ist mit den Farben?
Viele Boulderhallen arbeiten gar nicht mit Zahlen, sondern mit Farbkreisen — gelb, grün, blau, rot, schwarz. Jede Farbe steht für einen Gradbereich, nicht für einen exakten Grad.
Das hat einen guten Grund: Es nimmt Druck raus und verhindert das Gradezählen. Es hat aber auch einen Nachteil — die Farbsysteme sind von Halle zu Halle völlig verschieden. Das Blau der einen Halle ist das Rot der anderen. Wer in mehreren Hallen klettert, kommt um eine eigene Notiz kaum herum.
Wie viel sollte dich der Grad interessieren?
Genug, um Fortschritt zu sehen. Nicht genug, um sich den Abend zu verderben. Der Grad ist ein grobes Werkzeug, um Routen zu sortieren und die eigene Entwicklung über Monate sichtbar zu machen — mehr nicht.
Interessanter als der höchste Grad ist meistens die Verteilung: Wie viele Boulder in deinem Grenzbereich schaffst du inzwischen, statt nur den einen Ausreißer? Das ist die Zahl, die tatsächlich etwas über dein Klettern aussagt.
Fortschritt sehen statt schätzen
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Zur AppÜbrigens: Was „Beta“ in dem Zusammenhang eigentlich heißt, haben wir hier erklärt.